Hockendes Weib bei Ibbenbüren oder Lehmbrucks „Kniende“?

Signatur "W. Lehmbruck" auf einer Skulptur, die eine hockende weibliche Figur darstellt.

Geschrieben von

Wendelin Knoll

Veröffentlicht am

29. Sept. 2026

Inhaltsverzeichnis

Wer in Westfalen nach dem Hockenden Weib sucht, kann schnell bei zwei völlig unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten landen. Gemeint ist meist der sagenumwobene Felsen bei Ibbenbüren, während Wilhelm Lehmbrucks berühmte Frauengestalt zur Kunstgeschichte und ins Duisburger Museum gehört. Ich ordne beide Ziele ein und zeige, wie du sie sinnvoll besuchst.

Die schnelle Einordnung für deinen Ausflug

  • Das Hockende Weib ist eine markante Sandsteinformation an den Dörenther Klippen bei Ibbenbüren.
  • Wilhelm Lehmbrucks passende Skulptur heißt „Kniende“ und entstand 1911.
  • Vom Wanderparkplatz an der B 219 erreichst du den Felsen in etwa 15 bis 20 Minuten.
  • Die Dörenther Klippen liegen in einem Naturschutzgebiet. Klettern ist dort nicht frei erlaubt.
  • Für eine längere Runde bietet sich die rund 9,4 Kilometer lange Teutoschleife an.

Das Hockende Weib ist ein Felsen, keine Lehmbruck-Skulptur

Die wichtigste Klarstellung zuerst: Das Hockende Weib bei Ibbenbüren ist ein Naturdenkmal aus Sandstein und keine von Wilhelm Lehmbruck geschaffene Plastik. Der Felsen gehört zu den Dörenther Klippen im westlichen Teutoburger Wald, einer etwa 4 Kilometer langen Kette bizarrer Felsformationen.

Die Verwechslung ist trotzdem nachvollziehbar. Die Silhouette des Felsens erinnert tatsächlich an eine hockende oder sitzende Frau. Außerdem zählt Lehmbruck zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern der Moderne und ist besonders für lang gezogene, nachdenklich wirkende Frauenfiguren bekannt. Wer beide Begriffe gemeinsam findet, landet deshalb leicht bei einer falschen Zuordnung.

Wenn du nach einer Skulptur von Lehmbruck suchst, meinst du wahrscheinlich die „Kniende“ von 1911. Sie zeigt keine kompakte Felsenform, sondern eine stark verlängerte menschliche Gestalt mit einer stillen, fast entrückten Wirkung. Im Lehmbruck Museum in Duisburg lässt sich dieses Werk im Zusammenhang mit dem übrigen Schaffen des Künstlers betrachten.

Warum der Felsen wie eine Frau wirkt

Die Form der Dörenther Klippen entstand nicht durch menschliche Gestaltung. Vor ungefähr 140 bis 135 Millionen Jahren lagerten sich dort Sand- und Gesteinsschichten am Rand eines Kreidemeeres ab. Später wurden die Schichten durch geologische Kräfte angehoben und schräg gestellt.

Verwitterung und Erosion entfernten weichere Gesteinsschichten, während härtere Partien stehen blieben. So entstanden die schmalen Türme, Kanten und Überhänge, die heute den Eindruck einer menschlichen Figur erzeugen. Genau diese Mischung aus Naturgeschichte und Vorstellungskraft macht den Ort für mich reizvoller als eine gewöhnliche Aussichtsstelle.

Die Sage von der Mutter

Um den Felsen rankt sich eine tragische Geschichte. Eine Mutter soll ihre Kinder vor einer herannahenden Flut gerettet haben, indem sie sie auf den Berg trug. Als das Wasser immer höher stieg, setzte sie sich hin und ließ die Kinder auf ihre Schultern steigen. Dabei soll sie selbst zu Stein geworden sein.

Ob man die Sage wörtlich nimmt, spielt beim Besuch kaum eine Rolle. Sie erklärt, warum der Felsen bis heute nicht nur als geologisches Objekt, sondern auch als mystischer Ort im Teutoburger Wald wahrgenommen wird. Bei Nebel oder tief stehender Sonne wirkt die Silhouette besonders eindrucksvoll.

Eine hockende weibliche Skulptur aus Bronze, bedeckt von einem fließenden Stoff.

So erreichst du den Felsen ohne Umwege

Die Dörenther Klippen liegen ungefähr 3 Kilometer südlich der Ibbenbürener Innenstadt. Am einfachsten ist die Anreise zum Wanderparkplatz Dörenther Klippen an der B 219. Von dort führt ein ausgeschilderter Weg in etwa 15 bis 20 Minuten zum Felsen.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommst du vom Bahnhof Ibbenbüren mit der RVM-Linie 63 in Richtung Riesenbeck bis zur Haltestelle „Dörenther Berg“. In der wärmeren Jahreszeit fährt an Sonn- und Feiertagen außerdem ein Fahrrad- und Wanderbus. Die saisonalen Fahrzeiten solltest du vor der Abfahrt prüfen, weil sie sich ändern können.

Festes Schuhwerk ist keine Nebensache. Der letzte Abschnitt verläuft über einen natürlichen, teilweise steinigen Pfad mit Steigungen. Nach Regen kann der Untergrund rutschig sein, und mit Kinderwagen ist der Zugang nur eingeschränkt geeignet.

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Naturschutz geht vor dem besten Foto

Die Klippen liegen in einem Naturschutzgebiet. Der Felsen darf deshalb nicht einfach betreten oder beklettert werden. Freies Klettern ist dort nicht erlaubt; entsprechende Aktivitäten sind nur unter den vorgesehenen Bedingungen möglich.

Ich würde außerdem davon abraten, für ein Foto auf lockere Felsvorsprünge zu steigen. Der Blick vom Weg und von den erlaubten Aussichtspunkten ist ausreichend, und gerade die Distanz macht die Form des Naturdenkmals oft besser erkennbar.

Kurzer Abstecher oder richtige Wanderrunde

Du musst nicht den ganzen Tag wandern, um das Hockende Weib zu sehen. Für einen kurzen Ausflug reicht der Zugang vom Parkplatz. Wer mehr Landschaft erleben möchte, kann den Besuch in eine längere Runde durch das Bocketal und über die Dörenther Klippen einbauen.

Variante Umfang Passt besonders gut für
Kurzer Zugang ab B 219 Etwa 15 bis 20 Minuten pro Strecke Familien, Fotostopp und einen halben Ausflugstag
Teutoschleife Dörenther Klippen Rund 9,4 Kilometer Wandernde, die Felsen, Wald und Aussicht verbinden möchten
Abschnitt am Hermannsweg Variabel planbar Mehrtagestouren und längere Wanderungen im Teutoburger Wald

Auf der längeren Runde liegen weitere markante Felsen und Aussichtspunkte. In der Nähe des Weges lädt außerdem eine Almhütte zur Pause ein. Für mich ist diese Kombination ideal, weil der Felsen allein schnell besichtigt ist, die Landschaft rundherum aber deutlich mehr Zeit verdient.

Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte die Strecke nicht nach Kilometern allein beurteilen. Felsige Passagen, Steigungen und unebene Wege machen die Runde anstrengender, als die reine Länge vermuten lässt. Eine kürzere Hin- und Rückstrecke ist dann meist die bessere Entscheidung.

Die passende Lehmbruck-Spur führt nach Duisburg

Die Kunstspur zu Wilhelm Lehmbruck führt nicht nach Ibbenbüren, sondern ins Lehmbruck Museum in Duisburg. Dort wird die „Kniende“ von 1911 im Zusammenhang mit seinem Gesamtwerk gezeigt. Die Figur gehört zu jener Schaffensphase, in der Lehmbruck menschliche Körper bewusst verlängerte und ihnen eine ungewöhnlich stille, beinahe gotische Wirkung gab.

Die Skulptur wurde 1911 im Pariser Salon d’Automne präsentiert und machte Lehmbruck international bekannt. Zwei Jahre später war sie außerdem in der amerikanischen Armory Show vertreten. Für mich liegt ihre Stärke nicht in einer naturalistischen Darstellung, sondern in der Spannung zwischen der gebeugten Haltung und den überdehnten Proportionen.

Damit ergeben sich zwei völlig verschiedene Ausflugsideen. In Ibbenbüren erlebst du, wie die Natur eine menschliche Gestalt entstehen lässt. In Duisburg siehst du, wie ein Künstler den menschlichen Körper bewusst verändert, um Melancholie, Nachdenklichkeit und innere Spannung auszudrücken.

Zwei Namen, zwei starke Ziele in Westfalen

Für einen Naturausflug solltest du das Hockende Weib an den Dörenther Klippen wählen. Der Zugang ist überschaubar, die Umgebung bietet schöne Waldwege und die Sage gibt dem Felsen eine zusätzliche Ebene.

Wenn dich dagegen eine echte Skulptur von Wilhelm Lehmbruck interessiert, ist die „Kniende“ das deutlich passendere Ziel. Die sauberste Planung besteht deshalb darin, Naturdenkmal und Museum nicht gleichzusetzen, sondern als zwei eigenständige westfälische Sehenswürdigkeiten zu betrachten.

So bleibt die Orientierung einfach: Ibbenbüren steht für Felsen und Sage, Duisburg für moderne Bildhauerei. Beide Orte lohnen sich, aber aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Das Hockende Weib ist eine natürliche Sandsteinformation an den Dörenther Klippen. Die passende Skulptur von Wilhelm Lehmbruck heißt „Kniende“ und entstand 1911; sie ist im Lehmbruck Museum in Duisburg zu sehen.

Vom Wanderparkplatz Dörenther Klippen an der B 219 führt ein ausgeschilderter Weg in etwa 15 bis 20 Minuten zum Felsen. Der Pfad ist teilweise steinig und weist Steigungen auf, daher ist festes Schuhwerk empfehlenswert.

Die Dörenther Klippen liegen in einem Naturschutzgebiet. Der Felsen darf nicht einfach betreten oder beklettert werden; freies Klettern ist dort nicht erlaubt. Für Fotos solltest du auf dem Weg und an erlaubten Aussichtspunkten bleiben.

Für eine größere Runde bietet sich die rund 9,4 Kilometer lange Teutoschleife Dörenther Klippen an. Alternativ lässt sich der Besuch in Abschnitte am Hermannsweg oder eine Tour durch das Bocketal einbauen.

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Wendelin Knoll

Mein Name ist Wendelin Knoll und ich habe drei Jahre Erfahrung im Bereich Reisen, Freizeit und Kulinarik in Westfalen. Meine Leidenschaft für diese Themen entstand aus meiner Neugier, die vielfältigen Facetten dieser Region zu erkunden und zu teilen. Ich liebe es, die versteckten Schätze und kulinarischen Highlights Westfalens zu entdecken und meinen Lesern näherzubringen. In meinen Beiträgen konzentriere ich mich darauf, nützliche und verständliche Informationen zu bieten, die sowohl Einheimischen als auch Besuchern helfen, das Beste aus ihren Erlebnissen herauszuholen. Dabei lege ich großen Wert auf sorgfältige Recherchen und den Vergleich verschiedener Quellen, um sicherzustellen, dass meine Inhalte aktuell und präzise sind. Es ist mir wichtig, komplexe Themen einfach und klar zu erklären, damit jeder die Schönheit und Vielfalt Westfalens genießen kann.

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